Mehr als 60.000 Kitze werden jährlich durch Kreiselmäher zerfetzt!

ol Lüneburg. Im Laufe der Evolution hat das Rehwild gelernt, sich vor seinen Fressfeinden durch Verstecken und Drücken zu schützen. Diese angeborene Strategie versagt aber völlig bei der Technik in der heutigen Landwirtschaft. Auf der Straße sterben bundesweit jedes Jahr mehr als 200.000 Rehe durch den Straßenverkehr. Zu diesem Aderlass kommen noch einmal über 60.000 getötete oder verstümmelte Rehe und darüber hinaus viele andere Jungtiere durch den Kreiselmäher zu Tode.
Die Mahd von Gras oder Energiepflanzen wie Grünroggen beginnt in diesen Tagen. Der Termin fällt mit der Brut- und Setzzeit vieler Wildtiere, die ihren Nachwuchs in Wiesen und Grünroggen vor Fressfeinden wie den Fuchs verstecken.
Kreisjägermeister Hans Christoph Cohrs fordert daher alle Landwirte und Jäger auf, alles zu unternehmen, um diese immensen Jungtierverluste zu verhindern. Er empfiehlt, den Jagdpächter 24 Stunden vor dem Mahdtermin zu verständigen, der dann am Abend vorher die Fläche mit seinem Jagdhund absucht. Auch wenn der Hund das Kitz durch den fehlenden Eigengeruch nicht findet, wird die Ricke durch die Beunruhigung ihr Kitz aus dem Schlag herausführen und in Sicherheit bringen. Das Aufstellen von Knistertüten, Blinkleuchten oder Flatterbändern ist ebenfalls effektiv. Cohrs empfiehlt weiterhin, das Feld mit dem Grünlandschnitt grundsätzlich von innen nach außen zu mähen, damit Feldhasen oder Fasanen die Möglichkeit haben, während der Mahd zu flüchten. Günstig ist auch ein früher Mähtermin, denn Anfang Mai werden nur wenige Kitze gesetzt und die Höhe des Grases reicht den Ricken noch nicht als sichere Deckung.
Alle diese Maßnahmen sind auch wichtig, um tierschutzrechtlichen Verpflichtungen nachzukommen. Wer eine Verletzung oder Tötung von Jungwild durch den Kreiselmäher billigend in Kauf nimmt, kann eine Straftat nach dem Tierschutzgesetz begehen, die mit empfindlichen Geldstrafen geahndet werden kann. Immer häufiger sprechen Gerichte solche Urteile aus.
Der effektivste Wildretter ist immer noch der Jäger, der das Wild in seinem Revier genau beobachtet. Denn treibt sich eine tragende Ricke ständig in einem bestimmten Wiesenschlag herum und wird dann plötzlich mit eingefallenen Flanken oder prallen Gesäuge gesichtet, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass irgendwo in dieser Wiese ihre Kitze verborgen liegen.
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Durch das Drücken ist das Kitz vor Fressfeinden relativ sicher - schützt es aber nicht vor dem Kreiselmäher.





